Organisation des Korrosionsschutzes

Allgemeines

Korrosionsschutz ist eine Teamarbeit der drei hieran hauptsächlich beteiligten Kreise:
  • Auftraggeber (Besteller), Behörde, Unternehmen
  • Auftragnehmer (Ausführender),
  • Beschichtungsstoff Hersteller (Stoff-Lieferant)

Die nachfolgenden Ausführungen behandeln die Punkte, die überwiegend in den Bereich des Auftraggebers fallen.

Die organisatorische, d.h. planmäßige Abwicklung von Korrosionsschutzarbeiten sollte am Reißbrett mit der Planung von korrosionsschutzgerechten Konstruktionen bei Neubauten beginnen. Dazu gehören beispielsweise auch Rüstungserleichterungen, denn die Planung umfasst nicht nur die Erstbeschichtung, sondern auch spätere Instandsetzungsarbeiten, die aus technisch wirtschaftlichen Gründen zum richtigen Zeitpunkt eingeplant und ausgeführt werden sollten.

Die Planung der Auftragsabwicklung beginnt am Schreibtisch und umfasst aus der Sicht des Auftraggebers:
  1. Auswahl des Objektes nach Dringlichkeit,
  2. Festlegung der Oberflächenvorbereitung ,
  3. Ermittlung der Beanspruchung und Festlegung des Beschichtungssystems,
  4. Berücksichtigung der Einflüsse des Wetters und der Umgebung während der Ausführung,
  5. Planung des zeitlichen Ablaufs und Berücksichtigung betrieblicher Belange und Werkstoffart,
  6. Art der Beschaffung der Beschichtungsstoffe
Sinn der Planung (Organisation) ist ein fachgerechter Ablauf und die Rationalisierung, z.B. die fachlich richtige Werkstoffauswahl, die wirtschaftliche Arbeitsweise oder die Einsparung von Kosten und Personal.

Für die umfassende Planung liegen in den verschiedenen Technischen Vorschriften, Richtlinien und in der Fachliteratur geeignete Organisations-Hilfsmittel in Form von Fordrucken und schematischen Vorschlägen vor. Diese gilt in der Praxis nach dem Planungsgrundsatz zu nutzen:

„So grob wie möglich, so fein wie nötig“

Welche Stelle beim Auftraggeber soll sich mit dem Korrosionsschutz befassen?

Da die Ausführung von Korrosionsschutzarbeiten ein Zweig der Bautechnik ist, sollte sich in der Regel auf der Auftraggeberseite die Bauabteilung mit dem Korrosionsschutz befassen.

Die Abwicklung der Arbeiten erfolgt vielfach durch Korrosionsschutz-Ingenieure bzw. –Techniker.


Korrosionsschutzkreis

Bei entsprechendem Gewicht des Problems Korrosionsschutz innerhalb eines Werkes kann es zweckmäßig sein, zur Koordinierung der wichtigsten organisatorischen Korrosionsschutzpunkte, z.B. Auswahl der Unternehmerfirmen, Auswahl der Beschichtungsstoff-Hersteller, korrosionsschutzgerechte Gestaltung der Konstruktion usw., einen Arbeitskreis aus den wichtigsten Beteiligten, zu bilden.

Erfahrungsgemäß haben sich solche Arbeitskreise sehr nützlich erwiesen, da hier Probleme von den in Frage kommenden Fachleuten behandelt und schon Vorentscheidungen über zu schützende Objekte getroffen werden können.

Der Arbeitskreis tritt ein- bis zweimal jährlich zusammen und stellt nach Auswertung der betrieblichen Erfahrungen mit Unternehmen und Lieferanten über Methoden und Ablauf der Korrosionsschutzmaßnahmen einen losen Leitfaden zusammen. Hierauf kann bei der Entscheidung eines nahe stehenden Problems zurückgegriffen werden. Dadurch sind, im Hinblick auf einen optimalen und wirtschaftlichen Korrosionsschutz, sachliche Entscheidungen leichter möglich als bei Entscheidungen, die mit dem Ballast „Kompetenz“ gefällt werden.

Nachfolgend einige Beispiele, bei denen meist der Weg des geringsten Widerstandes gegangen wird:

Der billigste erhält den Zuschlag. Diese auf Dauer unwirtschaftliche Methode ist durch den Arbeitskreis vermeidbar. So kann z.B. ein stets etwas teurer Unternehmer oder Beschichtungsstoff-Hersteller die besseren Arbeiten bzw. Beschichtungsstoffe liefern, oder eine Firma gibt über den Durchschnitt liegende technische Beratung, die über die eigenen Arbeiten bzw. Leistungen hinausgeht und für den Auftraggeber besonders wertvoll ist. Dies bedeutet dann: nicht der Billigste erhält den Zuschlag!

Eine zunächst etwas aufwendigere Konstruktionsform, z.B. Hohlkastenprofil oder Blechträger anstelle einer stark aufgelockerten korrosionsschutztechnisch ungünstigen aber scheinbar billigeren Fachwerkkonstruktion, kann durch geringere Kosten für den Korrosionsschutz auf lange Sicht zweckmäßiger sein.

Die Vergabe der Geldmittel für die einzelnen anstehenden Objekte sollte nach der Zweckmäßigkeit erfolgen und nicht nach der vielleicht gerade günstigen Finanzlage einer Betriebsabteilung bzw. eine andere Betriebsabteilung lehnt wegen ungünstiger Finanzlage die Korrosionsschutzarbeiten ab, obwohl sie unbedingt erforderlich sind.